Was steckt hinter dem technischen Begriff Vakuumabdruckverfahren und was hat das mit eurer Sitzorthese zu tun? Wir wollen in diesem Beitrag erklären, was es damit auf sich hat und wie die Sitzorthese für euer Kind überhaupt entsteht.
Eine Sitzorthese ist nicht nur ein Hilfsmittel, das euer Kind beim Sitzen unterstützt, sondern ermöglicht ihm, überall aktiv und entspannt dabei zu sein. Es ist damit ein Instrument der Teilhabe in unterschiedlichen Situationen: ob beim gemeinsamen Frühstück, beim Lernen in der Schule oder beim Spiel mit anderen Kindern.
Damit diese Teilhabe real werden kann, braucht es eine individuell angepasste Lösung. Aber wie entsteht eine Sitzorthese eigentlich? Und was erwartet mein Kind beim Termin? Wird mein Kind lange genug stillhalten können? Wie lange dauert ein solcher Termin und ist die Prozedur eigentlich unangenehm?
Eine Standardlösung ist für die meisten Kinder mit einer entsprechenden Einschränkung keine Option, da die verfügbaren Sitzkissen oft nicht passen. Aufgrund der individuellen Körperhaltungen und Bewegungsabläufe geben sie nicht annähernd genug Halt.
Hier kommt der Vakuumabdruck ins Spiel, denn er bildet das Fundament für die Entstehung einer passgenau gefertigten Sitzorthese.
In diesem Artikel erklären wir euch Schritt für Schritt den Ablauf des Vakuumabdruckverfahrens und wie wir bei STREHL mit diesem Verfahren maßgeschneiderte Sitzorthesen herstellen. Zusätzlich erfahrt ihr genau, was euch beim Termin erwartet, wie lange jeder Schritt dauert und warum diese Methode die perfekte Passform für euer Kind garantiert.
Um erste Sorgen auszuräumen: Das Verfahren ist vollkommen schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten.
7 Schritte zur perfekten Passform
Schritt 1: Wir lernen euch und euer Kind kennen
(Das Erstgespräch)
Als Erstes setzt sich unser Orthopädietechniker mit euch zusammen. Er nimmt sich Zeit, um in einer ruhigen Atmosphäre die medizinischen Befunde zu analysieren. Von der Diagnose über die körperlichen Bedürfnisse eures Kindes bis zu den medizinischen Dokumenten der Fachärzte und Therapeuten. Bei STREHL wollen wir aber nicht nur eine Sitzorthese anfertigen, die den medizinischen Standards entspricht; in erster Linie soll sie euch und euer Kind den Alltag erleichtern. Deshalb sind für uns Fragen wie:
- Wie wird die Sitzorthese eingesetzt? z.B. Zuhause, in der Schule, zum Transport, als Hygiene/-Dusch-Orthese
- Welche besonderen Probleme gibt es aktuell?
- Hatte ihr Kind bisher schon einmal Druckstellen?
besonders wichtig, um für euch die bestmögliche Lösung zu finden.
Außerdem schauen wir uns gemeinsam geeignete Stoffe in verschiedenen Designs an und ihr wählt euren Wunschbezug aus.
Das Erstgespräch ist dabei mehr als ein Kennlern-Termin, denn: Jedes Kind ist einzigartig! Eine Lösung jenseits der Standards kann nur optimal passen, wenn wir eure individuellen Bedürfnisse kennen.

Schritt 2: Vorbereitung für den Vakuumabdruck
Nach dem gemeinsamen Beratungstermin folgt die Vorbereitung. Euer Kind wird auf einem Vacuumabdruckkissen positioniert. Dieses Kissen liegt fest auf unserem Simulator, den wir jederzeit in der Lage verändern können- so sind wir mit Eurem Kind auf Augenhöhe. Uns ist eine ruhige und angenehme Atmosphäre für euch und euer Kind wichtig, weshalb wir uns alle nötige Zeit für die gesamte Prozedur nehmen. Ihr als Eltern seid bei jedem Schritt dabei, um euer Kind emotional zu unterstützen.
Damit wir die Körperform eures Kindes so gut wie möglich erfassen können, sollte euer Kind möglichst leicht angekleidet sein (Strumpfhose, T Shirt). Diese akribische Vorbereitung sorgt dafür, dass der Abdruck später perfekt passt.
Schritt 3: Das Vakuumkissen – weich wie eine Wolke
Das Herzstück des Verfahrens ist das spezielle Vakuumkissen. Es sieht aus wie ein großes, weiches Sitzkissen und wird vorsichtig unter eurem Kind platziert. Das Kissen besteht aus vielen kleinen Styroporkügelchen und ist extrem weich, warm und bequem. Euer Kind wird so positioniert, wie es später auch in der fertigen Sitzorthese sitzen wird, und das Kissen formt sich sanft um seinen Körper. Das Material passt sich jetzt Rücken, Hüften, Beinen und Kopf an, und erzeugt so einen exakten Abdruck. Währenddessen spürt euer Kind nur das weiche Material - einige Kinder sind dabei auch schon eingeschlafen. Dieser Schritt der Modellierung dauert ca. 1,5- 2,5 Stunden.
Schritt 4: Die Form wird fixiert
Euer Kind liegt entspannt auf dem Kissen und die Vakuumpumpe wird aktiviert. Die Luft wird nun aus dem Kissen entzogen und die Styroporkügelchen, welche vorher weich und beweglich waren, verfestigen sich jetzt. Das Kissen spiegelt jetzt die Körperform eures Kindes wider, wie ein 3D-Foto aus festem Material. Ihr könnt zu diesem Zeitpunkt den Abdruck und das Material gern selbst in Augenschein nehmen.
Dieser Schritt ist, wie die vorherigen und folgenden, vollkommen schmerzfrei.

Schritt 5: Der Abdruck wird geprüft, bis alles perfekt ist
Der Abdruck ist also entstanden und euer Kind kann die Form jetzt verlassen. Zurück bleibt die feste Negativform, die den Körper eures Kindes präzise abbildet. Der Abdruck wird nun von unseren Technikern inspiziert und auf seine Qualität hin überprüft. Besonders genau werden die Bereiche um Hüfte und Wirbelsäule überprüft, damit hier keine Druckpunkte entstehen. Dieser Schritt ist eine wichtige Qualitätskontrolle, weil bei uns nur ein perfekter Abdruck weiterverarbeitet wird. Ist unser Team nicht zufrieden, wird der Abdruck wiederholt. Lieber 10 Minuten mehr investieren, als eine Sitzorthese zu erhalten, die nicht perfekt passt. Meist ist der erste Abdruck aber bereits perfekt. Falls ihr zu diesem Zeitpunkt Fragen habt, beantworten wir sie natürlich gern.
Schritt 6: Die Herstellung im STREHL Lab - Präzision trifft Handwerk
Haben wir den perfekten Abdruck und alle eure Fragen geklärt, dürft ihr uns wieder verlassen. Der Abdruck geht nun direkt in unser STREHL Lab. Dort wird jetzt nämlich aus der _Negativ-form des Vakuumabdrucks ein Positiv-Modell. Das bedeutet, dass aus der Hohlform eine feste Form wird, die genau den Körper eures Kindes abbildet. Jetzt kommt die Tiefziehanlage zum Einsatz. 3 unterschiedliche Kunststoffplatten werden so erwärmt, dass sie weich und formbar werden. Dann werden diese nacheinander präzise und mit hohem Unterdruck über das Positiv-Modell gezogen, damit jede Kurve und jeder Winkel perfekt passt. Nach dem Abkühlen beginnt die Feinarbeit: Kanten werden geschliffen, Polsterungen werden angebracht und die ausgewählten Bezüge zugeschnitten und vernäht. Die komplette Fertigung, vom Erstgespräch bis zur fertigen Sitzorthese, finden bei uns in Bremervörde nach höchsten Qualitätsstandards statt.
Nach Absprache können wir den Abdruck auch bei Euch zu Hause oder in der Schule erstellen. Am Besten immer auch mit Eurer Physiotherapeutin.

Schritt 7: Die Anprobe
Nach 2-4 Wochen ist es soweit: Ihr könnt zur Anprobe kommen! Euer Kind setzt sich zum ersten Mal in seine neue Sitzorthese. Unsere Mitarbeiter beobachten dabei abschließend noch einmal ganz genau, ob alles passt: Wie sitzt euer Kind, ist die Haltung korrekt, sind keine potentiellen Druckstellen festzustellen? Dabei benötigen wir euer ehrliches Feedback, denn ihr als Eltern kennt euer Kind am besten. Unser Team nimmt, falls nötig, letzte Korrekturen vor und ihr bekommt von uns noch Tipps und Anleitungen mit auf den Weg.
Fazit
Jedes Kind ist individuell. Manche Kinder brauchen ein paar Tage, andere fühlen sich sofort in der neuen Sitzorthese wohl. Auch nach der Auslieferung sind wir für euch da und helfen gern während der Eingewöhnungsphase. Ihr könnt jederzeit mit Fragen und Wünschen zu uns kommen. Bei STREHL soll jeder die Lösung bekommen, die er braucht - wir wissen wie wichtig und wertvoll diese Hilfsmittel für euch sind. Deshalb vertrauen uns so viele Familien die Versorgung an.




