Therapiefahrrad für Kinder: Training und Abenteuer zugleich

Ein Therapiefahrrad ermöglicht Kindern mit Beeinträchtigungen, zum Beispiel durch eine Cerebralparese, aktiv am Radfahren teilzunehmen – auch wenn ein herkömmliches Kinderfahrrad aufgrund eingeschränkter Rumpfkontrolle oder Beinkraft nicht geeignet ist. Der Artikel zeigt am Beispiel eines sechsjährigen Jungen, wie ein individuell angepasstes Therapiedreirad nicht nur gemeinsame Familienausflüge ermöglicht, sondern auch zur körperlichen Förderung im Alltag beitragen kann. Außerdem wird erklärt, wie die Krankenkassenfinanzierung abläuft und welche Schritte bei der Auswahl des passenden Modells sinnvoll sind.

Björn Strehl
Zuletzt aktualisiert:
13.04.2026
Lesezeit:
4
Minuten

Wenn Luca erzählt, wie er das erste Mal auf seinem Therapiefahrrad saß, sagt er: „Das war schnell." Seine Mutter Lisa lacht und ergänzt: „Er meint damit nicht die Geschwindigkeit. Er meint, wie schnell er sich getraut hat loszufahren."

Die Familie hat drei Kinder. Luca ist sechs, hat eine Cerebralparese und nutzt im Alltag einen Reha-Buggy. Seine Geschwister sind beide älter. Fahrradfahren gehörte für die beiden schon lange zum Alltag – für Luca war es bis vor einem Jahr keine Option.

Radfahren war kein Thema

Nicht weil Luca kein Interesse gehabt hätte. Im Gegenteil. Aber mit eingeschränkter Rumpfkontrolle und wenig Kraft in den Beinen funktioniert ein normales Kinderfahrrad nicht. Lisa beschreibt es so:

„Wir haben das Thema Fahrrad irgendwann einfach nicht mehr angesprochen. Nicht bewusst, aber es hat sich so ergeben. Wenn die anderen gefahren sind, haben wir mit Luca etwas anderes gemacht. Getrennte Aktivitäten halt."

Für die Familie bedeutete das: Ausflüge planen, bei denen entweder alle zu Fuß gehen oder sich aufteilen. Gemeinsame Radtouren fielen weg. Und Luca hat das durchaus mitbekommen.

Der Weg zum Therapiefahrrad

Den Anstoß gab Lucas’ Physiotherapeutin. Sie hatte ein Therapiedreirad in der Praxis und ließ Luca einfach mal draufsitzen. Der Effekt war sofort sichtbar - Luca wollte treten, lenken, losfahren.

Bei STREHL hat die Familie dann verschiedene Modelle ausprobiert. Luca sitzt jetzt auf einem Therapiedreirad mit Rückenstütze und Fußfixierung. Die Seitenstützen geben seinem Oberkörper Halt und die Pedalführung sorgt dafür, dass seine Füße nicht abrutschen. Lenker und Sitzwinkel sind auf seine Körpergröße eingestellt - das Rad wächst durch verstellbare Komponenten eine Weile mit.

Solche Anpassungen sind wichtig, weil jedes Kind andere Voraussetzungen mitbringt. Bei Luca ging es vor allem um Stabilität im Rumpf. Bei anderen Kindern steht vielleicht die Beinkraft im Vordergrund oder die Balance. Deshalb lohnt sich eine Erprobung vor Ort, bei der verschiedene Modelle und Einstellungen getestet werden können.

Was sich verändert hat

Das Therapiefahrrad steht jetzt in der Garage neben den Rädern seiner Geschwister. Die Familie fährt regelmäßig gemeinsam - kurze Runden durch die Nachbarschaft, manchmal auch längere Strecken am Wochenende.

„Die Touren sind nicht lang", sagt Lisa. „Vielleicht zwanzig Minuten, eine halbe Stunde. Aber alle sind dabei. Das klingt so banal, aber für uns ist das riesig."

Luca selbst hat sich verändert. Er redet mehr über seine Ausflüge, erzählt in der Kita davon. Und er fragt aktiv, wann die nächste Tour ist. Lisa sagt:

„Vorher war Fahrradfahren das Ding seiner Geschwister. Jetzt ist es auch seins. Das macht was mit einem Kind."

Neben den gemeinsamen Erlebnissen beobachtet die Familie auch körperliche Veränderungen. Das regelmäßige Treten kann die Beinmuskulatur aktivieren und Bewegungsabläufe trainieren. Lucas Therapeutin bestätigt, dass die Bewegung auf dem Rad eine sinnvolle Ergänzung zur Therapie sein kann - weil sie im Alltag stattfindet und Luca sie nicht als Übung empfindet.

Der Krankenkassen-Antrag

Aufgrund Lucas' medizinischer Indikation, hat die Krankenkasse die Kosten übernommen. Da ein Therapiefahrrad auch Gebrauchsgegenstand-Charakter hat, fiel ein Eigenanteil an - in etwa der Preis eines normalen Kinderfahrrads. STREHL hat für die Familie die Kommunikation mit der Krankenkasse übernommen und begleitet die Familie auch über die Lieferung hinaus - zum Beispiel für die jährlichen Wartungen.

„Das war unkomplizierter als gedacht", sagt Lisa. „Wir hatten Bedenken wegen der Bürokratie, aber mit der Unterstützung ging das gut."

Einen Überblick zu Eigenanteilen und Zuzahlungen bei Hilfsmitteln für Kinder findet ihr hier: Eigenanteile und Zuzahlungen: Was Familien wissen müssen

Ob ein Therapiefahrrad auch für euer Kind passen könnte?

Jedes Kind bringt andere Voraussetzungen mit. Deshalb ist eine persönliche Beratung sinnvoll. Bei STREHL könnt ihr verschiedene Modelle ausprobieren und gemeinsam mit uns herausfinden, welche Lösung sich für euer Kind gut anfühlt. Wir begleiten euch auch beim Krankenkassen-Antrag.

Sprecht uns einfach an - wir vereinbaren gerne einen Erprobungstermin.

Anmerkung: Luca und Lisa haben hier andere Namen bekommen, um ihre Identität zu schützen.

Ein Therapiefahrrad kann Kindern mit körperlichen Einschränkungen ermöglichen, gleichberechtigt am Familienalltag teilzunehmen – und gleichzeitig therapeutische Effekte in den Alltag zu integrieren.

  • Wenn Radfahren mit einem Standardfahrrad nicht funktioniert, lohnt es sich, gezielt nach Therapiedreirädern zu fragen – am besten über Physiotherapeuten oder Sanitätshäuser, die Erprobungstermine anbieten.
  • Die Krankenkasse kann die Kosten für ein Therapiefahrrad übernehmen, wobei in der Regel ein Eigenanteil in Höhe eines normalen Kinderfahrrads anfällt; eine Begleitung beim Antrag durch das Sanitätshaus erleichtert den Prozess deutlich.
  • Da jedes Kind andere motorische Voraussetzungen mitbringt, sollten Sitz, Rückenstütze, Pedalführung und Lenker individuell angepasst und vor dem Kauf ausführlich erprobt werden.
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