Spastik bedeutet, dass der Muskeltonus erhöht ist. Die Muskeln stehen also stärker unter Spannung, als es für eine Bewegung oder Haltung gerade nötig wäre. Das kann beeinflussen, wie ein Kind greift, sich bewegt, sitzt oder steht. Bei einer Tetraspastik sind beide Arme und beide Beine betroffen. Wie deutlich sie sich zeigt, ist von Kind zu Kind verschieden. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Diagnose, sondern die Frage: Was hilft eurem Kind heute dabei, möglichst bequem und aktiv am Alltag teilzunehmen?
Warum ist der Muskeltonus erhöht?
Bewegungen entstehen durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Gehirn, Nerven und Muskeln. Bei einer Spastik funktioniert diese Steuerung verändert. Signale zur Anspannung und Entspannung werden nicht so ausgewogen verarbeitet. Dadurch können Muskeln schneller oder länger angespannt bleiben.
Spastik tritt häufig im Zusammenhang mit einer Zerebralparese auf, die auch infantile Zerebralparese oder ICP genannt wird. Sie ist aber nicht dasselbe wie die Diagnose selbst. Zerebralparese beschreibt eine Gruppe von Beeinträchtigungen, die Bewegung, Gleichgewicht und Körperhaltung betreffen können. Spastik ist eine mögliche Ausprägung davon.
Im Alltag kann sich ein erhöhter Muskeltonus ganz unterschiedlich zeigen. Manche Kinder strecken beim Anziehen plötzlich die Beine, ziehen die Arme eng an den Körper oder rutschen beim Sitzen immer wieder in dieselbe Richtung. Andere benötigen nach einer anstrengenden Situation länger, um zur Ruhe zu kommen. Das sagt jedoch wenig darüber aus, was ein Kind versteht, wahrnimmt, mitteilt oder mit passender Unterstützung selbst gestalten kann.
Was kann den Alltag erleichtern?
Am Morgen zeigt sich oft, wie wichtig gute Rahmenbedingungen sind. Der Pullover ist schon über dem Kopf, doch beim zweiten Ärmel spannt sich der ganze Körper an. Mehr Kraft hilft in diesem Moment selten. Häufig sind ein kurzer Stopp, eine vertraute Reihenfolge und ausreichend Zeit hilfreicher. Ruhige Übergänge und wiederkehrende Abläufe können dem Kind Orientierung geben und Bewegungen leichter begleiten.
Auch die Sitzposition spielt eine wichtige Rolle. Eine individuell angepasste Sitzorthese kann Becken und Rumpf gezielt unterstützen, Halt geben und eine bequemere Ausgangsposition für das Essen, Spielen oder Kommunizieren ermöglichen. Sie behandelt die Spastik nicht und verringert sie nicht automatisch. Eine passende Versorgung kann jedoch dabei helfen, Bewegungsmuster aufzufangen, den Druck besser zu verteilen und unnötige Anstrengung beim Sitzen zu vermeiden. Welche Unterstützung sinnvoll ist, sollte immer anhand der individuellen körperlichen Voraussetzungen und des Alltags des Kindes beurteilt werden.
In Ruhephasen können geeignete Lagerungshilfen, ein angepasstes Pflegebett oder ein Reha-Buggy dazu beitragen, den Körper stabil und angenehm zu positionieren. Wichtig ist, dass keine Standardlösung über das Kind gestülpt wird. Körperform, Bewegungsmuster, Wahrnehmung und persönliche Vorlieben gehören gemeinsam betrachtet.
Physio- und Ergotherapie bleiben zentrale Bestandteile der medizinischen und therapeutischen Begleitung. Hilfsmittel ersetzen diese Arbeit nicht. Sie können das, was in der Therapie erarbeitet wird, in den Familienalltag übertragen und dort verlässlich unterstützen.
„Seit die Sitzposition richtig passt, kann unsere Tochter viel entspannter am Tisch sitzen. Das hat unseren Alltag wirklich erleichtert.“
— Mutter aus Loxstedt
Individuell statt nach Schema
Spastik und Tetraspastik zeigen sich bei jedem Kind anders. Deshalb entscheidet nicht ein Produktname, sondern die genaue Anpassung. Bei Strehl schauen wir gemeinsam mit euch, eurem Kind und den beteiligten Fachpersonen darauf, welche Unterstützung tatsächlich gebraucht wird.
Lasst euch unverbindlich beraten, welche Sitzlösung zu eurem Kind passt.
Häufige Fragen
Ist Spastik dasselbe wie Zerebralparese?
Nein. Zerebralparese ist eine übergeordnete Diagnose, die Bewegung und Haltung beeinflussen kann. Spastik bezeichnet einen erhöhten Muskeltonus und ist eine mögliche Ausprägung der Zerebralparese.
Kann eine Sitzorthese die Spastik verringern?
Eine Sitzorthese behandelt oder verringert die Spastik nicht. Sie kann eine stabile, individuell angepasste Sitzposition unterstützen und dadurch den Sitzkomfort sowie die Teilhabe im Alltag erleichtern.
Was unterscheidet Spastik von Tetraspastik?
Spastik beschreibt grundsätzlich einen erhöhten Muskeltonus. Von Tetraspastik spricht man, wenn beide Arme und beide Beine betroffen sind.




