Sitzorthesen für Kinder: Der komplette Guide von Diagnose bis Anpassung

Björn Strehl: Freundlicher, lächelnder Mann mit Glatze, Brille und Rollkragen
Björn Strehl
Zuletzt aktualisiert:
08.06.2026
Lesezeit:
8
Minuten
Sitzorthesen für Kinder: Der komplette Guide von Diagnose bis Anpassung
Sitzorthesen für Kinder: Der komplette Guide von Diagnose bis Anpassung

Sitzorthesen für Kinder: Der komplette Guide von Diagnose bis Anpassung

Was ist eine Sitzorthese? – Definition & Abgrenzung

Eine Sitzorthese unterstützt Kinder, die beim Sitzen mehr Halt brauchen, als ein Therapiestuhl geben kann. Sie wird individuell angefertigt und passt sich nicht irgendeinem Durchschnitt an, sondern genau eurem Kind: seiner Haltung, seiner Körperform, seiner Muskelspannung und den Situationen, die im Alltag wichtig sind.

Viele Familien helfen sich zunächst selbst. Ein Kissen im Rücken, ein Handtuch unter dem Becken, eine Hand am Oberkörper, damit das Kind beim Essen nicht zur Seite kippt. Das ist verständlich. Der Alltag macht keine Pause, nur weil noch keine passende Versorgung da ist. Aber solche Lösungen verrutschen, geben selten genug Halt und kosten auf Dauer viel Kraft.

Eine Sitzorthese soll genau diese Lücke schließen. Sie führt das Becken, stabilisiert den Rumpf und hilft eurem Kind, sicherer und ruhiger zu sitzen. Dabei geht es nicht darum, ein Kind festzuhalten oder zu begrenzen. Eine gute Sitzorthese gibt Halt, ohne unnötig einzuengen. Sie unterstützt dort, wo Unterstützung gebraucht wird, und lässt Bewegung dort zu, wo sie möglich und wichtig ist.

Im Alltag tauchen verschiedene Begriffe auf. Eine Sitzschale ist häufig die geformte Schale selbst. Sitzhilfe ist der Oberbegriff für viele verschiedene Systeme. Ein Therapiestuhl ist ein Hilfsmittel, das linear angepasst werden kann, bei individuellen Körperformen aber nicht ausreichend unterstützt. . Die Begriffe sind nicht immer trennscharf. Wichtiger ist die Frage: Kann euer Kind darin stabil, sicher und möglichst entspannt sitzen?

Eine Sitzorthese ist ein orthopädisches Hilfsmittel. Sie wird ärztlich verordnet, geplant und individuell hergestellt. Bei medizinischer Notwendigkeit kann die Krankenkasse die Kosten übernehmen. Häufig wird thermoplastischer Kunststoff verwendet. Dieses Material ist leicht, stabil, hygienisch und kann später bei Wachstum oder veränderter Haltung nachgeformt werden. Die Grundlage entsteht durch einen Vakuumabdruck in Verbindung mit einem Scan. Mehr dazu findet ihr im Artikel „Vakuumabdruckverfahren: So entsteht die perfekte Sitzorthese“.

Der wichtigste Unterschied zu einer Standardlösung ist schnell erklärt: Eine fertige Sitzhilfe muss ungefähr passen. Eine individuelle Sitzorthese wird exakt so gebaut, dass sie zu eurem Kind passt.

Für wen ist eine Sitzorthese sinnvoll? – Diagnosen & Indikationen

Viele Eltern merken schon früh, dass Sitzen für ihr Kind anstrengend ist. Der Oberkörper kippt zur Seite. Das Becken rutscht nach vorne. Eine Schulter steht höher. Der Kopf wird schwer, sobald die Kraft nachlässt. Beim Essen bleibt eine Hand am Kind, beim Spielen muss immer wieder korrigiert werden.

Das hat nichts mit fehlender Übung zu tun. Oft braucht der Körper einfach mehr Unterstützung. Eine Sitzorthese kann sinnvoll sein, wenn euer Kind den Rumpf nicht ausreichend selbst halten kann, wenn es immer wieder schief sitzt oder wenn durch die Sitzposition Schmerzen, Druckstellen oder Folgeschäden entstehen können.

Typische Diagnosen sind unter anderem infantile Zerebralparese, neuromuskuläre Erkrankungen wie Muskeldystrophie, spinale Muskelatrophie, schwere Mehrfachbeeinträchtigungen, Wirbelsäulenfehlbildungen oder Syndrome mit geringer Muskelspannung. Gleichzeitig gilt: Eine Sitzorthese ist nicht nur für Kinder und jungen Erwachsenen mit sehr hohem Unterstützungsbedarf gedacht. Auch bei leichteren motorischen Einschränkungen kann eine gute Becken- oder Rumpfführung viel verändern.

Achtet auf wiederkehrende Zeichen. Rutscht euer Kind im Sitz immer wieder weg? Kippt es zur Seite? Wird es nach kurzer Zeit unruhig, müde oder angespannt? Entstehen Rötungen an Gesäß, Rücken oder Oberschenkeln? Vermeidet euer Kind längeres Sitzen? Auch eine sichtbare Schieflage von Becken, Schultern oder Kopf sollte fachlich angeschaut werden.

Je früher eine ungünstige Sitzposition erkannt wird, desto besser lässt sie sich begleiten. Nicht mit Druck. Nicht mit ständigem Korrigieren. Sondern mit einer Unterstützung, die zum Körper und zum Alltag passt.

Die Verordnung erfolgt meist über den Kinderarzt, die Neuropädiatrie, die Orthopädie oder ein SPZ. Häufig geben auch Physiotherapeutinnen, Ergotherapeuten oder Fachkräfte aus Kita und Schule den ersten Hinweis. Sie sehen oft sehr genau, wie viel Kraft ein Kind für das Sitzen braucht.

Für Eltern kann ein solcher Hinweis erst einmal schwer sein. Wieder ein neues Thema. Wieder Fragen. Wieder Papierkram. Gleichzeitig kann genau dieser Moment entlastend sein. Weil endlich sichtbar wird: Es muss nicht bei Provisorien bleiben.

Warum richtiges Sitzen so entscheidend ist

Sitzen sieht einfach aus. Für ein Kind mit Spastik, Hypotonie, Rumpfinstabilität oder asymmetrischer Haltung kann es aber sehr anstrengend sein. Der Körper sucht ständig Halt. Das Becken kippt, der Oberkörper gleicht aus, der Kopf muss gehalten werden. Was andere Kinder nebenbei schaffen, kostet hier oft viel Kraft.

Das Becken ist dabei die Basis. Wenn es schiefsteht oder nach hinten kippt, wirkt sich das häufig auf die gesamte Haltung aus. Die Wirbelsäule folgt, der Rumpf verdreht sich, Druck entsteht an ungünstigen Stellen. Über längere Zeit können Schmerzen, Kontrakturen, Skoliosen oder Druckstellen entstehen.

Eine gut angepasste Sitzorthese setzt genau dort an. Sie stabilisiert das Becken, verteilt Druck besser und bringt den Körper in eine ruhigere Position. Das kann Atmung, Verdauung, Essen, Trinken und Aufmerksamkeit erleichtern. Vor allem aber nimmt es dem Körper Arbeit ab.

Richtiges Sitzen ist deshalb nicht nur eine medizinische Frage. Es schafft Handlungsspielraum. Wenn euer Kind nicht seine ganze Kraft dafür braucht, irgendwie aufrecht zu bleiben, werden die Hände frei: zum Greifen, Zeigen, Malen, Essen, Spielen und Lernen.

Auch für die soziale Teilhabe ist das wichtig. Ein Kind, das stabil sitzt, kann leichter Blickkontakt aufnehmen. Es kann am Tisch dabei sein, in Kita oder Schule mitmachen und auf Augenhöhe mit anderen Kindern sitzen. Teilhabe beginnt oft genau dort: mit einem sicheren Platz mitten im Geschehen.

Für euch als Eltern verändert sich ebenfalls viel. Weniger Festhalten. Weniger Nachrücken. Weniger Sorge, dass gleich wieder alles kippt. Aus dauerndem Korrigieren wird mehr gemeinsame Zeit. Aus Anspannung wird ein Stück Ruhe. Mehr zur Druckverteilung und Passform lest ihr im Beitrag „Druckstellen vermeiden: Warum Passgenauigkeit alles ist“.

Welche Arten von Sitzorthesen gibt es?

Welche Sitzorthese passt, hängt nicht nur von der Diagnose ab. Entscheidend ist, wo euer Kind im Alltag Unterstützung benötigt: im Rollstuhl, am Esstisch, in der Schule, im Kindergarten, im Badezimmer oder im Auto. Viele Familien nutzen deshalb verschiedene Lösungen für verschiedene Situationen.

Sitzorthese für den Rollstuhl

Die Sitzorthese für den Rollstuhl ist eine der häufigsten Varianten. Sie wird in das vorhandene Rollstuhlsystem integriert und begleitet euer Kind oft viele Stunden am Tag. Der Rollstuhl ist dann nicht nur ein Hilfsmittel zur Fortbewegung. Er ist Sitzplatz, Lernort, Ruhezone und ein wichtiger Teil des Familienalltags. Eine gut angepasste Rollstuhl-Sitzorthese stabilisiert Becken und Rumpf, unterstützt bei Bedarf die Kopfkontrolle und hilft, die Sitzposition über den Tag hinweg zu halten.

Sitzorthese für den Therapiestuhl

Eine Sitzorthese für den Therapiestuhl wird vor allem am Tisch genutzt: beim Essen, Spielen, Malen, Lernen oder in der Schule. Mit einem passenden Untergestell kann euer Kind auf Augenhöhe mit anderen sitzen. Das klingt einfach, macht im Alltag aber oft einen großen Unterschied. Wer stabil sitzt, kann die Hände besser nutzen, den Blick heben und leichter teilnehmen.

Hygiene-Sitzorthese für Bad und Toilette

Für Bad und Toilette gibt es Hygiene-Sitzorthesen. Sie sind wasserabweisend, pflegeleicht und für sichere Körperpflege gemacht. Gerade das Badezimmer ist für viele Familien ein Ort mit viel Anspannung: nasse Haut, rutschige Flächen, wenig Platz und oft Zeitdruck. Eine passende Hygiene-Sitzorthese kann hier Sicherheit, Würde und Entlastung bringen – für euer Kind und für euch. Mehr dazu lest ihr im Ratgeber „Hygiene-Sitzorthese fürs Bad: Morgendliche Pflegeroutine ohne Stress“.

Sitzorthese fürs Auto (STREHLCart)

Auch im Auto kann eine individuelle Lösung nötig sein. Wenn ein Standardsitz den Körper eures Kindes nicht ausreichend führt, braucht es mehr Unterstützung. Die STREHLCart Autositzorthese ist eine crashtest-erprobte Lösung für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf im Auto. Sie verbindet individuelle Körperführung mit sicherer Mobilität und passt thematisch zum Produkt STREHLCart.

Sitzorthese mit Steh-Funktion

Manche Kinder profitieren außerdem von Sitzorthesen mit Steh-Funktion oder von kombinierten Systemen, die Sitzen und Vertikalisierung verbinden. Der Wechsel in die aufrechte Position kann Wahrnehmung, Kreislauf, Knochenstoffwechsel und Organfunktion unterstützen. Ob das sinnvoll ist, hängt immer von Diagnose, Therapiezielen und Alltag ab.

Der Weg zur Sitzorthese: Von der Diagnose bis zur fertigen Anpassung

Viele Eltern haben vor allem vor dem Weg zur Sitzorthese Respekt: Rezept, Antrag, Krankenkasse, Abdruck, Anpassung – das klingt nach zusätzlicher Arbeit in einem Alltag, der ohnehin voll ist. Deshalb hilft es, den Ablauf klar zu kennen.

Am Anfang steht meist eine Beobachtung oder Empfehlung. Vielleicht sagt die Physiotherapeutin, dass eine Sitzorthese sinnvoll wäre. Vielleicht weist der Orthopäde auf eine beginnende Fehlhaltung hin. Vielleicht merkt ihr selbst, dass euer Kind immer schlechter sitzt und Kissen oder Handtücher nicht mehr ausreichen. Dieser Moment kann verunsichern. Er kann aber auch der Anfang von echter Entlastung sein.

Für die Versorgung braucht es eine ärztliche Verordnung. Diese kommt zum Beispiel vom Kinderarzt, von der Neuropädiatrie, der Orthopädie oder dem SPZ. Wichtig ist eine klare medizinische Begründung. Welche Diagnose liegt vor? Welche Einschränkungen bestehen? Was soll die Sitzorthese erreichen? Geht es um Rumpfstabilisierung, Beckenführung, Druckentlastung, Kopfkontrolle oder Teilhabe in Schule und Alltag? Je genauer der Bedarf beschrieben wird, desto besser lässt sich der Antrag gegenüber der Krankenkasse begründen.

Danach folgt der Kontakt zum Versorger. Bei Strehl beginnt die Versorgung mit einem persönlichen Gespräch. Dabei geht es nicht nur um Maße und Diagnosen, sondern um euren Alltag. Wo sitzt euer Kind? Wann wird es schwierig? Gibt es Kita, Schule, Fahrdienst, Geschwister, Therapien oder lange Tage im Rollstuhl? Eine Sitzorthese muss fachlich richtig sein. Sie muss aber auch morgens, mittags und abends funktionieren.

Deshalb bietet Strehl Hausbesuche an. Die Fachleute kommen dorthin, wo die Versorgung später gebraucht wird. Das spart Wege und hilft, die echten Alltagssituationen besser zu verstehen.

Für die individuelle Fertigung braucht es anschließend eine genaue Formgrundlage. Beim Vakuumabdruck sitzt euer Kind auf einem speziellen Kissen, das sich weich an den Körper anschmiegt. Durch das Vakuum wird die Position fixiert und als Grundlage für die spätere Orthese genutzt. Das Verfahren ist schonend und kindgerecht. Je nach Situation können auch digitale Vermessung oder 3D-Scan eingesetzt werden. Mehr dazu findet ihr im Artikel „Vakuumabdruckverfahren: So entsteht die perfekte Sitzorthese“.

Aus dieser Grundlage entsteht im STREHL Lab die eigentliche Sitzorthese. Thermoplastischer Kunststoff wird erwärmt und im Tiefziehverfahren über das Formmodell gezogen. Danach folgen die Details: Polsterungen, Pelotten, Führungen, Gurtsysteme, Kopfstützen oder weitere Elemente. Jedes Teil hat eine Aufgabe. Eine gute Sitzorthese ist nicht einfach eine Schale. Sie ist ein sorgfältig abgestimmtes System.

Bei der Anprobe wird geprüft, ob alles passt. Sitzt euer Kind stabil? Gibt es Druckstellen? Ist genug Bewegungsfreiheit vorhanden? Lässt sich der Transfer gut bewältigen? Kommt ihr mit Gurten und Handling zurecht? Hier wird erklärt, angepasst und nachjustiert, bis die Versorgung im Alltag funktionieren kann.

Auch danach bleibt die Betreuung wichtig. Kinder wachsen. Körper verändern sich. Muskelspannung kann schwanken. Neue Alltagssituationen kommen hinzu. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll – häufig alle sechs bis zwölf Monate, bei Wachstum oder Beschwerden auch früher. Thermoplastisches Material lässt sich oft nachformen. So kann eine Versorgung angepasst werden, ohne sofort komplett neu beginnen zu müssen. Mehr dazu lest ihr im Artikel „Sitzorthese wächst mit: Thermoplastisches Umformen erklärt“.

Was macht eine gute Sitzorthese aus? – Qualitätskriterien

Eine Sitzorthese ist dann gut, wenn sie nicht nur bei der Anprobe überzeugt, sondern im Alltag funktioniert. Beim Essen. Beim Spielen. Beim Lernen. Beim Fahren. Bei der Pflege. Beim Ausruhen. Das wichtigste Kriterium ist die Passgenauigkeit. Die Orthese muss führen, ohne zu drücken. Sie muss Halt geben, ohne neue Probleme zu schaffen. Schon wenige Millimeter können entscheiden, ob euer Kind entspannt sitzt oder nach kurzer Zeit unruhig wird.

Auch das Material zählt. Eine Sitzorthese sollte stabil, hautfreundlich, langlebig und leicht zu reinigen sein. Kinderalltag ist kein Ausstellungsraum. Es wird gegessen, gekleckert, getragen, umgebaut, gefahren, gelacht und manchmal auch geweint. Eine gute Versorgung hält das aus. Sie ist robust, aber nicht grob. Funktional, aber nicht kalt.

Wichtig ist außerdem die therapeutische Wirkung. Beckenführung, Rumpfstabilisierung, Beinführung, Kopfunterstützung oder Druckentlastung müssen zur Diagnose und zum tatsächlichen Bedarf passen. Eine Sitzorthese darf nicht nach Schema F entstehen. Sie muss zu diesem einen Kind passen. Deshalb ist die Abstimmung zwischen Familie, Ärzten, Therapeuten und Versorgungsteam so wichtig.

Komfort ist kein Extra. Er ist Voraussetzung. Wenn euer Kind die Sitzorthese nicht akzeptiert, wird sie im Alltag kaum genutzt – egal, wie gut sie technisch geplant ist. Eine gute Sitzorthese fühlt sich nicht wie Zwang an. Sie gibt Orientierung, Stabilität und Sicherheit.

Alltagstauglichkeit entscheidet am Ende oft über Erfolg oder Frust. Lassen sich Gurte einfach schließen? Ist der Transfer machbar? Können Polster gereinigt werden? Passt die Orthese in vorhandene Systeme? Funktioniert sie auch dann, wenn morgens wenig Zeit ist? Gute Technik erkennt man daran, dass sie den Alltag leiser macht. Sie drängt sich nicht auf. Sie hilft einfach.

Auch die Optik darf eine Rolle spielen. Kinder möchten sich wohlfühlen. Farben, Bezüge und Gestaltungsmöglichkeiten können helfen, dass aus einem Hilfsmittel etwas Eigenes wird. Nicht ein Zeichen von „anders“, sondern ein Teil des eigenen Alltags.

Ein Vater sagte nach der ersten Versorgung seines Sohnes: „Wir haben monatelang mit Kissen und Handtüchern improvisiert. Als die Sitzorthese kam, haben wir uns gefragt, warum wir so lange gewartet haben. Unser Sohn sitzt jetzt stabil, entspannt – und wir auch.“ Dieser Satz zeigt, worum es geht: nicht um ein Produkt, sondern um Entlastung, Sicherheit und ein Stück Normalität.

Sitzorthesen im Alltag: Einsatzbereiche & Lebensqualität

Die Wirkung einer Sitzorthese zeigt sich oft nicht in großen Szenen, sondern in kleinen Momenten. Am Küchentisch, wenn euer Kind beim Frühstück stabil sitzt und beide Hände freihat. Beim Füttern, wenn ihr nicht bei jedem Löffel den Oberkörper stützen müsst. Beim Spielen, wenn euer Kind den Blick hebt und nach einem Gegenstand greift.

Sie zeigt sich im Kindergarten und in der Schule. Wenn euer Kind am Tisch sitzen, Materialien erreichen und auf andere Kinder reagieren kann. Teilhabe beginnt nicht erst bei großen Förderzielen. Sie beginnt oft mit einer stabilen Position auf Augenhöhe. Wer gut sitzt, kann leichter mitmachen.

Sie zeigt sich im Rollstuhl. Zu Hause, beim Einkaufen, im Park, auf dem Schulweg oder beim Familienbesuch. Eine passende Sitzorthese macht aus dem Rollstuhl einen Ort, an dem euer Kind nicht nur transportiert wird, sondern gut sitzen kann. Das klingt nüchtern, ist für viele Familien aber ein spürbarer Unterschied.

Sie zeigt sich im Badezimmer, wo Sicherheit und Würde besonders wichtig sind. Eine Hygiene-Sitzorthese kann Körperpflege ruhiger machen, Transfers erleichtern und Eltern körperlich entlasten. Wenn weniger gehalten, gehoben und korrigiert werden muss, bleibt mehr Raum für einen entspannten und respektvollen Umgang miteinander.

Sie zeigt sich auch im Auto, bei Therapien und in all den Übergängen, die Familien jeden Tag meistern. Eine gute Sitzorthese nimmt nicht alle Herausforderungen weg. Aber sie nimmt an wichtigen Stellen Druck heraus. Sie gibt eurem Kind Stabilität und euch mehr Verlässlichkeit.

Viele Eltern beschreiben die erste wirklich stabile Sitzposition ihres Kindes als Wendepunkt. Nicht laut, nicht spektakulär – eher wie ein tiefes Aufatmen. Plötzlich sitzt das Kind aufrecht, schaut sich um, greift nach einem Spielzeug oder lächelt. In diesem Moment geht es nicht um Diagnose, Antrag oder Hilfsmittelnummer. Es geht einfach um euer Kind. Und um das, was möglich wird, wenn der Körper genug Halt bekommt.

Kostenübernahme & Finanzierung

Eine der häufigsten Fragen lautet: Wer bezahlt eine Sitzorthese? Bei medizinischer Notwendigkeit können Sitzorthesen als Hilfsmittel von der Krankenkasse übernommen werden. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung mit nachvollziehbarer Begründung.

Für viele Familien ist nicht die Sitzorthese selbst die größte Hürde, sondern die Bürokratie. Kostenvoranschlag, Antrag, Rückfragen, Stellungnahmen und manchmal auch eine Ablehnung kosten Zeit und Kraft. Gerade dann, wenn der Alltag ohnehin voll ist, kann dieser Prozess wie ein zusätzlicher Berg wirken.

Strehl unterstützt Familien auf Wunsch bei der Kommunikation mit der Krankenkasse. Dazu gehören der Kostenvoranschlag, die fachliche Begründung und die Begleitung, falls ein Widerspruch nötig wird. Eine Ablehnung bedeutet nicht automatisch, dass die Versorgung nicht möglich ist. Oft muss der Bedarf genauer erklärt und medizinisch besser eingeordnet werden.

Bei Kindern fällt der Eigenanteil häufig gering aus oder entfällt. Zubehör, ergänzende Lösungen oder besondere Ausstattungen müssen im Einzelfall geprüft werden. Auch Zweitversorgungen können sinnvoll und beantragbar sein – zum Beispiel, wenn euer Kind eine Sitzorthese zu Hause und eine weitere Versorgung in Schule oder Kindergarten benötigt. Entscheidend ist immer, dass der Bedarf gut begründet wird.

Strehl begleitet diesen Prozess persönlich. Mit Ansprechpartnern, die eure Situation kennen, die Versorgung verstehen und wissen, wie viel Kraft Familien bereits in ihren Alltag investieren. Das Ziel ist nicht, euch noch mehr Aufgaben zu geben. Das Ziel ist, euch Aufgaben abzunehmen.

Häufige Fragen zu Sitzorthesen für Kinder

Ab welchem Alter kann mein Kind eine Sitzorthese bekommen?

Eine Sitzorthese kann bereits im frühen Kindesalter sinnvoll sein. Entscheidend sind nicht allein Alter oder Körpergröße, sondern Diagnose, Haltung, Muskelspannung und Alltagssituation. Wenn euer Kind nicht stabil sitzen kann oder sich Fehlhaltungen entwickeln, sollte der Bedarf fachlich geprüft werden.

Wie lange dauert es von der Verordnung bis zur fertigen Sitzorthese?

Das hängt von der Krankenkasse, der Komplexität der Versorgung und dem Ablauf der Genehmigung ab. Häufig sollten Familien mit mehreren Wochen rechnen. Ein realistischer Zeitraum liegt oft zwischen vier und acht Wochen.

Tut der Vakuumabdruck weh?

Nein. Der Vakuumabdruck ist ein sanftes Verfahren. Euer Kind sitzt auf einem weichen Kissen, das sich an den Körper anschmiegt. Durch das Vakuum wird die Position gehalten, damit daraus die spätere Form abgeleitet werden kann.

Wie oft muss eine Sitzorthese angepasst werden?

Regelmäßige Kontrollen sind wichtig, meist alle sechs bis zwölf Monate. Wenn euer Kind schnell wächst, sich die Haltung verändert oder Druckstellen entstehen, sollte früher geprüft werden. Thermoplastisches Material kann nachgeformt werden.

Kann mein Kind die Sitzorthese auch in der Schule oder im Kindergarten nutzen?

Ja. Viele Kinder nutzen ihre Sitzorthese täglich in Schule oder Kindergarten. Dort unterstützt sie beim Sitzen am Tisch, beim Lernen, Spielen und Essen. Wenn eine Versorgung dauerhaft in der Einrichtung gebraucht wird, kann auch eine Zweitversorgung geprüft werden.

Was passiert, wenn die Krankenkasse ablehnt?

Eine Ablehnung ist nicht immer das Ende. Oft kann ein Widerspruch eingelegt werden. Wichtig ist dann eine gute Begründung, warum euer Kind die Sitzorthese medizinisch und im Alltag braucht. Strehl unterstützt Familien bei dieser Kommunikation.

Wie pflege ich eine Sitzorthese?

Die genaue Pflege hängt vom Material und der Ausstattung ab. In der Regel lassen sich Oberflächen mit milden Reinigungsmitteln säubern, viele Bezüge sind waschbar. Bei Hygiene-Sitzorthesen ist die Reinigung besonders einfach, weil sie für Bad und Toilette entwickelt wurden.

Kann eine Sitzorthese in verschiedene Rollstühle eingesetzt werden?

Das ist oft möglich, hängt aber vom jeweiligen Rollstuhlsystem und der Befestigung ab. Die Sitzorthese wird so geplant, dass sie zur vorhandenen Versorgung passt. Wenn mehrere Systeme genutzt werden, sollte das schon bei der Planung angesprochen werden.

Ist eine Sitzorthese unbequem für mein Kind?

Eine gut angepasste Sitzorthese sollte nicht unbequem sein. Sie soll stabilisieren, entlasten und Druck gleichmäßig verteilen. Wenn euer Kind unruhig wird, Schmerzen zeigt oder Rötungen entstehen, muss die Passform geprüft werden.

Was ist der Unterschied zwischen Sitzorthese und Sitzschale?

Die Begriffe werden oft ähnlich verwendet. Eine Sitzschale meint häufig die individuell geformte Schale selbst. Sitzorthese beschreibt stärker die orthopädische Funktion: Sie unterstützt, korrigiert oder stabilisiert die Sitzhaltung eures Kindes.

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