Sitzorthese wächst mit: Thermoplastisches Umformen erklärt

Björn Strehl: Freundlicher, lächelnder Mann mit Glatze, Brille und Rollkragen
Björn Strehl
Zuletzt aktualisiert:
15.06.2026
Lesezeit:
4
Minuten
Sitzorthese wächst mit: Thermoplastisches Umformen erklärt
Sitzorthese wächst mit: Thermoplastisches Umformen erklärt

Muss bei jedem Wachstumsschub eine neue Sitzorthese her?

Kinder wachsen selten gleichmäßig. Manchmal passt ein Pullover über Monate, dann ist er nach zwei Wochen plötzlich zu kurz. Bei einer Sitzorthese ist das ähnlich, nur dass es hier nicht um simple Textilien geht, sondern um Haltung, Beckenführung und bequemen Halt im Alltag.

Deshalb denken viele Eltern zunächst: Wir brauchen jedes Jahr eine völlig neue Sitzorthese, wenn unser Kind wächst. Diese Besorgnis ist verständlich. Eine neue Versorgung kostet Zeit, bedeutet Termine, Abstimmungen mit der Krankenkasse und wieder eine Phase, in der alles angepasst werden muss.

Gerade wenn Becken, Rumpf oder Gewicht sich verändern, kann eine Sitzorthese zu eng werden. Manchmal zeigen sich Druckstellen. Manchmal sitzt das Kind nicht mehr so stabil wie vorher. Das sollte man ernst nehmen. Es heißt aber nicht automatisch, dass die komplette Orthese ersetzt werden muss.

Was bedeutet thermoplastisches Material?

Thermoplastisches Material ist ein Kunststoff, der bei Wärme formbar wird und beim Abkühlen wieder stabil wird. Man kann es sich ein wenig wie Wachs vorstellen: warm wird es weicher und kann verändert werden, kalt bleibt es fest in seiner neuen Form.

In der Orthopädietechnik werden dafür je nach Versorgung Materialien wie HDPE, Polypropylen oder spezielle Reha-Thermoplaste genutzt. Der große Vorteil: Diese Materialien sind nicht starr wie ein endgültig gegossenes Bauteil. Sie lassen sich an bestimmten Stellen erneut erwärmen und nachformen.

Bei STREHL gehört dieses thermoplastische Umformen zum normalen Anpassungsprozess. Die Sitzorthese wird also nicht als starre Lösung verstanden, die das Kind irgendwann „überholt“. Sie kann in vielen Fällen mit dem Wachstum Schritt halten.

Wie läuft eine Nachanpassung ab?

Zuerst schaut sich unsere Rehatechniker genau an, wo die Sitzorthese nicht mehr richtig passt. Gibt es Druckstellen? Ist die Bewegung eingeschränkt? Hat sich die Haltung verändert? Manchmal reicht schon ein Blick auf die Sitzposition, manchmal braucht es etwas mehr Prüfung.

Dann werden die betroffenen Bereiche gezielt erwärmt, zum Beispiel mit Heißluft oder in einer Wärmekabine. Das Material wird dadurch formbar. Anschließend passt der Techniker die Stelle von Hand oder mit speziellen Hilfsmitteln an die neuen Körpermaße an.

Danach kühlt das Material wieder aus. Die neue Form bleibt stabil. Für euch bedeutet das: kein kompletter Neubau, keine wochenlange Wartezeit und oft deutlich weniger Aufwand als bei einer neuen Versorgung.

Wichtig ist trotzdem: Nicht jede Stelle lässt sich beliebig oft verändern. Unsere Strehl-Techniker entscheidet immer individuell, was sinnvoll und sicher ist.

Wann reicht Umformen und wann braucht es eine neue Orthese?

Thermoplastisches Umformen ist besonders hilfreich bei moderatem Wachstum, lokalen Druckstellen oder einer leichten Gewichtszunahme. Dann kann die Sitzorthese oft gezielt angepasst werden, ohne dass alles neu geplant werden muss.

Eine neue Orthese kann nötig werden, wenn euer Kind sehr stark gewachsen ist, zum Beispiel in der Pubertät. Auch eine deutlich veränderte Körperhaltung oder Risse im Material sprechen eher für eine neue Versorgung.

Als Faustregel gilt: Lasst die Sitzorthese regelmäßig kontrollieren, am besten einmal im Jahr oder früher, wenn euch etwas auffällt. So werden kleine Probleme nicht zu großen Baustellen.

Der Vorteil thermoplastischer Materialien liegt genau darin: Die Orthese kann länger genutzt werden. Das spart Familien Aufwand, vermeidet unnötige Bürokratie und kann eine neue Beantragung bei der Krankenkasse hinauszögern.

Was bedeutet das für euren Alltag?

Wachstum ist kein Grund zur Panik. Wenn die Sitzschale eures Kindes nicht mehr ganz passt, muss nicht sofort alles von vorn beginnen.

Regelmäßige kurze Kontrollen helfen, die Sitzorthese rechtzeitig nachzujustieren. So bleibt sie bequem, sicher und alltagstauglich. Die Orthese passt sich eurem Kind an, nicht umgekehrt.

Bei STREHL sind solche Nachanpassungstermine ein fester Teil der Versorgung. Denn eine gute Sitzorthese soll nicht nur am ersten Tag passen, sondern euer Kind durch seine Entwicklung begleiten.

„Ich dachte, wir brauchen jedes Jahr eine komplett neue Orthese. Dann hat uns der Techniker erklärt, dass vieles einfach angepasst werden kann. Das hat uns so viel Aufwand und Warterei erspart.“
— Mutter eines 8-jährigen Jungen mit ICP

Björn Strehl: Freundlicher, lächelnder Mann mit Glatze, Brille und Rollkragen
Wir freuen uns Dir weiterhelfen zu können!
Nimm mit uns Kontakt auf und lass uns über Deine Anliegen sprechen
Kontakt

Keinen Artikel verpassen - Abonniere unseren Newsletter!

Kontakt

Lass uns sprechen!

Wir freuen uns auf Deine Anfrage und stehen Dir gerne für Fragen zur Verfügung.